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ForumTheater

In den letzten sechs Jahren habe ich die ForumTheater-Techniken und Methoden Augusto Boals sowie meine eigenen Erfahrungen aus über 350 ForumTheater Vorstellungen mit Jugendlichen und Erwachsenen für die Erwachsenenbildung von Menschen mit einer Beeinträchtigung adaptiert und weiter entwickelt.
Meine Forschungsarbeit galt einerseits der Suche nach Spielformen, welche den Spielerinnen und Spielern die Trennung zwischen dem eigenen ‘Ich’ und der darzustellenden ‘Rollen-Figur’ vereinfachen - sie findet nicht in derselben Ausprägung wie beim ‘konventionellen’ Theaterspiel statt, denn ForumTheater-Arbeit setzt bewusst auf die persönliche Betroffenheit der Beteiligten und fragt nach Authentizität, eigenen Verhaltensweisen und persönlichen Veränderungsvorschlägen. Die Spielsituationen erfordern jedoch stets auch die Rolle des ‘Bösewichts’, was bedeutet, dass an diesem Punkt den Agierenden und Zuschauenden klar sein sollte, dass eine Mitspielerin, ein Mitspieler in der Szene ‘so-tut-als-ob’, also eine Negativ-Figur spielt und nicht ist. Andererseits versuchte ich - und versuche weiterhin - Formen zu entwickeln, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erlauben, zum Einstieg in die szenische Arbeit aus einer Aussenposition mit grösserer Distanz zu agieren, ohne gleich selber spielen zu müssen. Daraus entwickelte sich eine spezifielle Form der ForumTheater-Arbeit, die ‘StuhlForum-Arbeit’.

ForumTheater-Arbeit will die Phantasie für Lösungsmöglichkeiten gesellschaftlicher Konflikte mobilisieren. Zu diesem Zweck improvisieren jeweils zwei bis drei Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer eine selbst erlebte oder von der Spielleitung eingebrachte Konfliktsituation.
Die Kunst der Spielleitung ist es, die Szenenanlage so zu wählen, dass die gezeigte Situation in den Zuschauenden Widerhall hervorruft und sie dahingehend provoziert, dass sie spätestens bei der Wiederholung der Szene aktiv in das szenische Geschehen eigreifen wollen, indem sie eine Spielerin oder einen Spieler auswechseln und versuchen, in der ausgewählten Figur, ihren Konflikt-lösungsvorschlag im Spiel umzusetzen. Im Anschluss an diese Szenenvariante fordert die Spielleitung die Zuschauenden auf, Veränderungen gegenüber der Original-Szene rückzumelden und persönlich zur neuen Szene Stellung zu beziehen. Ebenso befragt sie die eingewechselte Spielerin/den eingewechselten Spieler, inwiefern sich die Idee verwirklichen liess, die Situation verändert werden konnte und welche Konsequenzen das Verhalten hatte.
Dies ist ein ganz wesentliche Phase der ForumTheater-Arbeit denn eine gute Debatte zu erreichen ist wichtiger, als eine gute Lösung, die man findet oder nicht. Der Diskurs und die Art und Weise wie er geführt wird vermittelt den Spielerinnen und Spielern das Gefühl ernst genommen zu werden und zieht sie in die Auseinandersetzung und ins Spiel hinein.
Wer sich mit der präsentierten Lösungsmöglichkeit und der daraus entstandenen Szenenentwicklung noch nicht einverstanden erklären kann, demonstriert und erprobt seine Verhaltensweise in einer weiteren Improvisation.

ForumTheater, wie es von Augusto Boal (1980/89) entwickelt worden ist, verfolgt zwei grundsätzlich miteinander verbundene Prinzipien. Es zielt darauf:

•   ... die Zuschauer zu ermutigen, sich in aktive Protagonisten einer dramatischen Handlung zu verwandeln und eigene Lösungsmöglichkeiten für den vorgegebenen Konflikt zu erproben. Indem ein ‘Zu-Schauspieler’ in die Fiktion handelnd eingreift, probt er Handeln und Verhalten unter den Bedingungen der Wirklichkeit. Er kann beobachten, welche Wirkung und Konsequenz seine Alternative mit sich bringt und anhand dieser Beobachtung neue Strategien und Taktiken erwägen. Er lernt die Schwierigkeit kennen, eine Idee in die Praxis umzusetzen, denn die andern Figuren werden sich ihm gegenüber kaum so verhalten, wie er sich dies möglicherweise vorge-stellt hat;
•   ... die Spielerinnen und Spieler zu ermutigen, die Erfahrungen aus ihrem Spiel, in ihr tägliches Leben zu übertragen. Wer sich traut in der Forum-Theater-Arbeit auf Widersprüche aufmerksam zu machen, wird sich in der Realität eher zu widersprechen trauen. Wem es gelingt sich im Spiel zu behaupten, der erweitert sein Spektrum an Handlungsmöglichkeiten und kann sich eher durchsetzen, wenn er in der Realität eine Entscheidung treffen muss.



      



Konfliktkompetenz mit Techniken des ForumTheaters -
im Dialog mit Menschen mit einer Beeinträchtigung


“Handeln ist heilender als Reden.”

J.L.Moreno

      



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